Prize of Change 1: Endlich Nichtraucher…

Wie angedeutet begann meine Veränderung mit dem Zeitpunkt zu dem ich aufhörte zu rauchen.

Ich habe kurz vor meinem 15. Lebensjahr angefangen zu rauchen, weil ich es einfach mal probieren wollte. Also bin ich los gezogen und habe mir in einem Tabakladen eine Schachtel Zigaretten gekauft. Danach habe ich mich in der hintersten Ecke der Stadt versteckt um die Dinger mal zu probieren. Wie jeder der seine erste Zigarette raucht, fand ich sie furchtbar und beschloss das Rauchen sofort wieder aufzugeben und verschenkte die Schachtel an einen rauchenden Freund. Damit war die Sache für mich eigentlich erledigt.

Es kam alles anders. Auf dem Weg zum Schwimmbad in dem ich so ziemlich den ganzen Sommer mit 2 Freuden verbrachte, fand ich eine fast volle Schachtel Peter Stuyvesant. Geil, dachte ich mir, das muss ich den Jungs zeigen. Und so beschlossen wir uns nach unserem Schwimmbadbesuch im Park zu verstecken um etwas Cooles, Verbotenes zu tun, nämlich zu rauchen.

Von diesem Zeitpunkt an änderte sich meine Einstellung zum Rauchen. Es schmeckte zwar immer noch wiederlich, aber ich fühlte mich toll und erwachsen. Keiner unseres Rauerclubs wollte diesen Zusammenhalt brechen, indem er das offentsichtliche Aussprach, dass Rauchen einfach widerlich ist.

Seit diesem Tag bis zum 13.08.2010 war ich mit kleinen Unterbrechungen Raucher. Ihr kennt Sie sicher auch, diese Raucher, die nach dem Kino vor der Tür paffen oder einen Halt an einem Sackbahnhof für eine kurze Kippe nutzen und dem der Nichtraucherschutz herzlich egal ist. Genau so einer war ich. Dazu kann ich nur sagen, dass ich heute über das Verhalten von Rauchern schockiert bin und mich selbst frage, wie assozial ich mich früher verhalten haben muss. Aber die Sucht und das Verlangen nach der Zigarette ist einfach größer als Verstand und Anstand gegenüber den Mitmenschn. Das sollte man bei allem Unverständnis gegenüber Rauchern nie vergessen.

Meine Sucht war so extrem, dass ich während meines Studiums von meinem 500 Euro zum Leben jeden Monat (Miete inkl.) bis zu 120 Euro für Zigaretten ausgab. Mir blieben also nach Abzug der Miete noch etwa 180 Euro zum Leben. Das da nicht sonderlich viel übrig bleibt um große Sprünge zu machen sollte jedem klar sein. Trotzdem hatte ich eine gute Zeit und habe gelernt, dass man aus wenig viel machen kann.

Die Stärke meiner Sucht, lässt sich sehr schön mit einem Ausschnitt meines Tagesablaufes illustrieren.

23:00 Uhr – Letzte Zigarette im Bett (sic!) vor dem schlafen gehen.

03:00 Uhr – Ich wache in der Nacht auf. Diese Gelegenheit wird natürlich gleich für eine weitere Zigarette genutzt

07:00 Uhr – Wecker klingelt. Erstmal ’ne Kippe im Bett um dann nochmal 5 Minuten weiter zu schlafen.

07:15 Uhr – Der Gang aufs Klo – nächste Zigarette auf der Kloschlüssel

08:30 Uhr – Angekommen am Büro: Zu diesem Zeitpunkt hatte ich meistens mindestens 5 Zigaretten geraucht, ohne etwas gegessen zu haben.

Den Rest erspare ich euch, aber ich denke es wird klar, wie groß meine Sucht war und wie wenig Spaß ich noch am Rauchen haben konnte, da mein ganzer Tagesablauf sich nach den Zigaretten ausrichtete.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt der Raucherkarriere will jeder Raucher aufhören, weil er sich seiner Sucht bewusst ist und die negativen Auswirkungen (Müdigkeit, Kraftlosigkeit usw.) täglich spürt. Das läuft dann ungefähr nach folgendem Schema ab:

Zu irgendeinem Zeitpunkt raucht man die letzte Zigarette einer Schachtel und sagt sich, das wars, das war die Letzte ab sofort rauche ich nicht mehr. Die ersten 20 Minuten klappt das ganz gut, aber schon dann fängt das Nikotinmonster wieder an sich zu melden. Man kämpft sich auf dem Heimweg am ersten Tabakladen, am zweiten und vielleicht auch noch am dritten vorbei bevor man sich dann am Zigarettenautomaten neue Zigaretten besorgt. Die Infrastruktur der Tabakdealer ist einfach ausgezeichnet. Jeder Supermarkt hat Zigaretten an der Kasse und in jeder dritten Straße gibt es einen Automaten. Dies sorgt nicht nur dafür, dass sich der Süchtige möglichst schnell mit Tabak versorgen kann, sondern hindert ihn auch noch daran aufzuhören. Geniales System. Man stelle sich nur mal vor, es gäbe die selbe Infrastruktur für Spielsüchtige. 😉

Der 12.08.2010 war wieder einer der Tage an denen ich mit einem Kollegen bis spät in die Nacht in der Düsseldorfer Altstadt gefeiert und dabei unzählige Zigaretten geraucht habe. Am nächsten Morgen an dem ich  mit meiner Freundin in unseren ersten gemeinsamen Urlaub fahren wollte, ging es mir richtig dreckig. Also beschloss ich noch halbtrunken mit dem Rauchen aufzuhören, so wie ich es schon mindestens hundertmal zuvor tat. Doch diesmal funktionierte es. Und ich glaube der Schlüssel zum Erfolg war der gemeinsame Urlaub. Die Sucht nach Nikotin ist keine körperliche sondern vielmehr eine psychische. So verknüpft das Gehirn gewisse Momente mit der Zigarette/Nikotin. Jeder kennt diese Leute, die nur Rauchen wenn sie trinken. Diese Leute sind in dem Moment ählich abhängig wie ein Kettenraucher der eine Zigarette nach der anderen raucht. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass der Kettenraucher deutlich mehr Gelegenheiten/Situationen mit dem Nikotin verknüpft als der Partyraucher.

Für mich, der eher der Gruppe der Kettenraucher zuzuordnen war, war der gemeinsame Urlaub ein Glücksfall, da es eine Situation war, der ich zuvor noch nicht ausgesetzt war und daher auch keine Verbindungen zwischen Gehirn und Nikotin einerseits und der Situation andererseits bestanden. Trotz allem gab es einige kritische Situationen zu überstehen. Geholfen haben mir dabei meine Freundin, die trotz betteln meinerseits meine letzte Schachtel Kippen irgendwann aus dem Autofenster schmiss und den Kräuterzigaretten aus der Apotheke. Diese Dinger, die aussehen wie normale Zigaretten und nach verbrannten Pizzagewürzen schmecken enthalten kein Nikotin. In den wenigen Situationen in denen ich ohne den Stängel in der Hand fast durchgedreht bin, haben die Dinger wirklich geholfen.

Jetzt bin ich seit 2 1/2 Jahren Nichtraucher und ich fühle mich richtig gut damit. Ich bin morgens fitter, bin sportlicher geworden und habe deshalb auch deutlich abgenommen statt zuzunehmen. Für mich ist das Ende der Raucherkarriere ein Türöffner für meine weitere Entwicklung geworden.

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2 Antworten zu Prize of Change 1: Endlich Nichtraucher…

  1. payoli schreibt:

    Lieber André,
    ich gratulier Dir ganz herzlich zu Deinem Anti- Rauch- Erfolg!
    ABER das war erst fder Anfang!
    Bitte guck mal genau hin!
    Wir Zivilisationsmenschen machen soviel falsch! Von der Ernährung angefangen, über Drogen- Missbräuche, grottenfalsches Denken, zuwenig Bewegung, völlig verkümmerte Sozialkontakte, etc. bis zu unserem Öko- Wahnsinn, dass weitaus mehr zu ändern hätten, als uns ‚bloß‘ das Rauchen abzugewöhnen …
    Liebe Grüße und
    paradise your life ! 😉

  2. flucs schreibt:

    Keine Frage, werter Payoli,
    es gibt noch vieles zu ändern. Ein paar weitere Schritte werde ich demnächst hier vorstellen und der Prozess der Veränderung ist noch lange nicht abgeschlossen.

    Grüße,
    André

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